Doa geit dat inne Büx

Doa geit dat inne Büx

(Comodia Melodis von Heco van Doune, Hofnarr zum Hofe von Gareth)

Dem Prinze Brin ward´s Zeit gesell, zu geben dem alljährlich ritterlich Feste Gewand.
Ein Turnier solle es geben, potz heller Geist dem Brin´e wards gegeben, das war schon allerhand!

Dort solle der Ritter mit der Lanz, der schweren, sich erwehren
Und den andren Ritter prompt aus deso Sattel hebeln.

Das dero Vorhab nicht ganz einfach ward, dafür sorge zweierlei.
Des Kontrahent Gestech sich ähnlich wandet wie er selbst,
in einer großen Rüste stecke, die unmobilat und schwer wie Blei.
Hoch zu Rosse man sie musst setzen, derer selbst es nicht mehr konnt.

Der Knappe dem edlen Recken die Lanz gab in des eisern Faust,
nur durch den Schlitz im Helme guckend wankelte er hinaus.

Draus auf des Festes Wiese, das Turniere zog sich hinne,
dem Edelmann ward bang im Schritte, sei es doch bald vorbei.
Der Lokus zeitlich noch in weiter fern, stand einladend minder Ellen weiterford.
Der Rittersmann in seiner Not wünschte sich an jenen Ort.

Jed Kämpfer brauchte der Anlauf vielfach,
des wartend Heroen Blase ward des Platzens nahe

„Ja könnt ihrer denn net kämpfe??“ schallt er, vergaß seint Etikette.
So er gab dem Rosse einen Tritt, er alle Lanzen gleichzeitig zum Kampfe forder.
„Welch Wahn hat ihn geritten?“, verkünd der Prinze laut.
Die Ritterschar in linker Reih, der Ungestüme rechts, Prinzessin Emers Tuche fiele,
beid Seit gebt sich die Sporen.
Ein jeder Ritter fällt, es scheppert uns int Ohren.

Am Ent dort nur der ein noch stand, er tat inzwischen wimmern,
Der prinzlich Gäste applaudierte, das Volk hingegegen tobte,
es dem Ritterlein erschallte, wie einst am Wasserfalle,
all Eil hat nichts genützt derweil, auch seine Rüst der Roste nun droht.

So er konnt es nicht mehr halte, ergoß in die Rüste seine Not.
Des Emers Siegkuß er verschmähte, die prinzlich Prämie er vergaß,
er nur rasch zu seinem Zelte flüchte.
Dies Sieg ward kein Genuß.

So Schmiedlein Eisenhauer sei behände, bringe er im Rüstebaue ein Wende,
schaffe Rüstzeug für den Reiter, nebst Tricht un Rinne fürs Geschäfte.

ENDE

Nur Heco van Doune besitzt die Frechheit seinen Herrn Prinz Brin in so einer Ode der Einfallslosigkeit und der Unbeherrschtheit zu bezichtigen, der Ritterschaft menschliche Schwäche zusagen und sie sich selbst besudeln lassen. Letztlich könnt ihm selbst der Handwerker seinen Scherz übelnehmen… Er ist allerdings auch der einzige, der nicht mit einer Strafe rechnen muss. Schließlich ist er der Hofnarr des Hofes und außerdem wird er als einer der „7 Gezeichneten“ sein Leben für ganz Aventurien in die Waagschale werfen. Wer würde es also wagen, dem Schelm bei noch so bitteren Satiren in den Kerker zu werfen, oder gar hinrichten zu lassen?

(c)1999 Kay Fiedler

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