Der Mythos Harry Potter

Der Mythos Harry Potter

Oje, da rühren die Medien ja mal wieder richtig die Werbetrommel. Und für wen? Für Harry Potter. Die wohl unglaublichste Nachricht erreichte mich gestern. Der Junge der den Harry spielt ist ein ganz normaler Junge! Wer hätte das gedacht? Das er nicht wirklich zaubern kann ist wohl schon klar. Das er noch keine schauspielerische Vergangenheit haben kann ist in Anbetracht seines Alters auch zu erwarten. Und schließlich und endlich ist der Film mal gerade in den Kinos um den Globus angelaufen. Woher soll der Junge also schon jetzt seine Starallüren her haben? Aber mit dem Gerede darüber wie jungfräulich liebreizend der Kleine ist, kann man ihm schon ein Etikett aufdrängen, welches dann nach hinten los geht.

 

Weitaus interessanter als der süße kleine Bengel dürfte aber eine andere Betrachtung sein. Da bringt Focus-TV eine Horrormeldung, bei der ich unweigerlich an saure Gurkenzeit denken muss. Die Angst ergreift gewisse Bevölkerungsschichten, dass wir dank Harry Potter mit einer neuen Welle von Satanismus rechnen müssten. Ich habe den Bericht selbst leider verpasst. Aber welche Schichten könnten das sein? Spontan fällt mir eigentlich nur eine Institution ein, die Angst vor einem Satanskult haben könnte und das wäre die ach so christlich katholische Kirche. Aber wenn ich es richtig im Sendungs-Trailer gehört hatte sind es sogar staatliche Behörden, die Angst davor haben.

 

Wie begründet ist eine solche Annahme? Harry Potter wird sicherlich quer durch alle Altersschichten gelesen, dennoch ist es eine besondere Art von Leser. Der typische Leser ist entweder noch sehr jung und konnte sich dem Lesekult nicht entziehen, weil es halt alle lesen, oder bekam es zwanghaft vor die Nase gesetzt. Der Rest wollte es einfach lesen, in Erwartung einer kurzweiligen Unterhaltung, weil das Thema gefiel, oder weil man eine Empfehlung dahingehend bekam.

 

In jedem Falle sind die Jüngeren derzeit wohl keine Gefahr. Die Älteren dürften Harry Potter als das sehen, was es ist. Es ist ein modernes Märchen. Wer sich auch nur annährend mit Magie beschäftigt wird Potter vielleicht sogar lesen und die Geschichte selbst schön finden, aber die im Buch stattfindende Magie schlichtweg als Hokus Pokus belächeln. Kein wirklich Magiekundiger würde hier auch nur einen Hauch Magie in der Geschichte vermuten, sondern allenfalls in der Art des geschriebenen Wortes. Die pottersche Magie ist nur das schmückende Beiwerk, der Rahmen in dem Harry seine Abenteuer erlebt, nicht die Geschichte selbst.

 

Die Gruppe der eh schon leicht satanisch angehauchten Personenkreise würde sich mit einem Kinderbuch nicht abgeben, wenn doch, dann ist ihre Seele auch noch nicht ganz verdorben. Schließlich geht es bei Harry Potter nicht um die dunkle Seite der Magie.

 

Das einzig bedenkliche bleiben also die lieben leichtgläubigen Kinderchen. Die gesamte Spielindustrie stürzt sich auf den magischen Publikumsmagneten Potter und bringt irgendwelchen wahnwitzig magischen Unfug auf den Markt, schließlich muss der Potter solange geschmiedet werden, wie er heiß ist. Die Kinder lassen sich natürlich leicht beeinflussen und glauben an die Magie, so wie sie ihnen gezeigt wird. Aber besteht tatsächlich eine Gefahr in späteren Tagen, wenn die Kleinen langsam erwachsen werden?

 

Wie viele Jedi-Ritter haben wir heute? Haben die Hexen von Eastwick irgendwelche Spuren hinterlassen? Welche Kinder werfen sich, auf Grund damals besorgter Eltern, heute gegenseitig Klaviere auf den Kopf wie bei Tom & Jerry, oder versuchen mit der Unterwäsche über den Leggins Heldentaten zu verbringen a la Superman und Co.?

 

Was wird also aus den Kindern werden, wenn sie heute Potter lesen? Sie werden die Geschichte heute für zauberhaft halten, morgen als Märchen erkennen und übermorgen leugnen es jemals gelesen zu haben, es sei denn sie befinden sich in einem der alteingesessenen, bis dahin, seit 20 Jahren existierenden Potter-Fan-Clubs und wähnen sich unter Gleichgesinnten.

 

Die eigentliche Sorge gilt also mal eher wieder einer allgemeinen Angst davor, dass sich die Gesellschaft mehr und mehr zu einer heidnisch angehauchten Masse zurückbildet und „Gott“ verleugnet, als einer nur annähernden „satanistischen“ Bewegung. Aber wie sieht der beste Schutz vor „falschem“ Glauben aus?

 

Hier wird doch befürchtet, dass Kinder die in ihrer Kindheit mit der Magie eines Harry Potters bezaubert wurden sich später einmal leichter von eben jenen abtrünnigen gefährlichen Mächten beeinflussen lassen. Ist dem wirklich so? Die Kinder werden sicher ganz anders an das Thema Magie rangehen, als es diese Angsthasen vermuten.

 

Das das geistige Zeitalter eingeläutet wird, kann auch die Kirche nicht verhindern, ebenso wenig wie sie den Afghanistan-Krieg verhindern konnten. Die Kirche hat nur die Chance sich den Gegebenheiten anzupassen und akzeptieren, dass das magische Wissen nicht mehr ihrer Kontrolle unterliegt, sondern es endlich wieder zum allgemeinen Wohl aller einsetzbar wird, ohne dass der christliche Glaube dadurch Schaden nehmen muss. Wenn die Kirche hier kein Erwachen erlebt, wird sie wie es die Prophezeiung Nostradamus vorhergesagt hat ihren Untergang finden. Die Rede ist dabei von der Kirche, nicht vom christlichen Glauben. Die Glaubensformen haben alle ihre Berechtigungen, einzig der Weg und die Mittel sind meistens korrupt.

 

So gesehen hat ein Osama Bin Laden Recht, wenn er behauptet das wir die Ungläubigen sind. Was er nicht realisiert ist, dass sein Glauben nicht besser ist, als der Unglauben der im Christentum liegt. Die Lösung läge in der Zehrschlagung aller Religionen, aber woran dürfen die Hilfesuchenden dann glauben? Also haben die Glaubensrichtungen ihre Daseinsberechtigung. Aber der Glauben soll eben nur für den gelten, der auch Glauben will. Derartiges nennt man Glaubensfreiheit und wird allgemein auf der Welt zwar in vielen Gesetzen verankert, aber kaum gelebt.

 

Der Grund, dass sich die Glaubensgemeinschaften gerade jetzt wieder aufbäumen ist die bewußte Angst vor Veränderung, vor dem Umsturz der in allen Religionen zu lesen ist und welcher ja schließlich auch von diversen Deutern bereits vorhergesagt worden ist.

 

Magie ist keine eigenständige Religion. Sie existierte immer schon neben dem Glauben. Ein Harry Potter kann meiner Meinung nach eher dazu beiführen, die positiven Möglichkeiten angewandter Magie zu vermitteln, als eine neue magische Religion zu begründen, noch dazu eine bösartige, die ja im völligen Gegensatz zu Harry Potter stehen würde.

 

Das sich die Kiddis von heute also morgen ein Buch über angewandte Magie kaufen, oder sich zumindest für Themata wie Mythologie, Mystik oder Astrologie interessieren, sehe ich eher als positiv. Der Umsturz wird kommen, aber wer heute von vorneherein richtig an die Sache herangeführt wird, ist umso geschützter vor jenen „satanischen“ Kräften.

 

Letztlich sollte die katholische Kirche sehen was sie selbst angerichtet haben. Schließlich ist der „Satan“ nur an einer kleinen Stelle der Bibel erwähnt, wurde aber von der Kirche zur besseren Kontrolle seiner Schäfchen benutzt, um unliebsame Menschen zu „verteufeln“ und von der Gesellschaft zu eliminieren. Die Kirche wollte Kontrolle und die Satanisten bildeten sich aus der Abwehr heraus. Das die heutigen Satanssekten mit den früheren Satanisten fast nur noch den Namen gemein haben ist eine andere Thematik, die gefährlich ist, aber mit Magie, Glauben und vor allem mit Harry Potter nur noch wenig zu tun haben.

 

Das sich Menschen, gerade junge Menschen, die von dem Glauben enttäuscht sind, sich zu einem gezielten Andersglauben berufen fühlen, sich selbst als „satanistisch“ betrachten und sich gemäß den von kranken Hirnen breit getretenen Weg hinterher trampeln ist die logische Konsequenz die sie selbst vor Jahrhunderten gesät haben. Das diese Satankulte völlig absinnig sind liegt allein schon in der Aussage, das es keinen Gott gäbe, sondern nur Satan.

 

Damit widersprechen sie ihre eigene Existenz und töten ihre Basis. Das solche Vereinigungen sich mit Magie beschäftigen mag die Kirche ernsthaft beunruhigen, aber wenn sie die Geschichte der letzten Jahrhunderte besser ausleuchten würden, würden sie erkennen, dass die sogenannte „böse“ Magie sich immer letzten Endes gegen die ausführenden Kräfte wendet, gleich wie groß der verursachte Schaden war. Schließlich handeln all diese Organisationen schon im Ansatz gegen das erste magische Gesetz: Wirke nicht zum Schaden oder im Unwissen für oder gegen Dritte!

 

Die Missachtung dieses einfachen, im Grunde in allen Religionen ebenfalls verankerten Gebotes hat bislang alle mächtig gewordenen Kulturen auf Dauer zerstört, zuletzt das auf Runenmagie basierende Dritte Reich. Hitler versuchte die Prophezeiung nach seiner Ideologie durch zu setzten, die Kirche lahm zu legen und dem Volk das Wissen über alle sogenannten Halbwissenschaften zu entziehen, um sie nur für seine Eingeweihten einsetzen zu können.

 

Aber auch er bekam die Antwort. Das er Deutschland letzten Endes tatsächlich zu dem Wohlstand gebracht hat, dass er dem Volke versprach ist dabei beinahe schon ein kalter Witz. Aber letzten Endes konnte das Volk nichts für seine eigenmächtigen Absichten, so bekamen wir was er uns versprach, nicht ohne einen Denkzettel für die Blindheit mit der wir ihm folgten, aber er selbst und seine Handlanger mussten vergehen.

 

Im allgemeinen zerstören sich Glaubensrichtungen die Macht über ihre Gläubigen ausüben sich letzten Endes immer selbst. Nicht umsonst liegt die christliche Kirche nahezu lahm. Auch der Koran wird sich trotz, oder gerade wegen, seiner fanatischen Anhänger selbst zerstören. Kein Gläubiger lässt sich auf Dauer von seinem Glauben unterdrücken. Er erwartet schließlich Geborgenheit und Hilfe damit er Kraft schöpfen kann, nicht das er als Preis dafür auf seine Persönlichkeit verzichten muss. Die Angst der Fundamentalisten ist berechtigt, schließlich wird sich die Welt verändern, gleich ob sie mit Gewalt gegen angehen oder es geschehen lassen. Ein Glaubenskrieg zu diesem Zeitpunkt wäre also das Zeichen auf das viele magischen Gilden und heidnischen Koven nur warten.

 

Magie basiert grundlegend auf Glauben und kann eben auch nur dann wirken, wenn dieser Glauben frei von Zweifel ist und grundsätzlich keinem anderen schadet. Betrachtet man jetzt noch einmal die Ausgangsbasis dieses Textes ist es thematisch schon eher eine Sache des Glaubens, als des Hokus Pokus eines Harry Potters. Die Magie eines Harrys ist aber eher mit der eines Jahrmarktzauberers eines David Copperfield vergleichbar, wobei selbiger noch am ehesten den Zugang zu der wirklichen Magie, auf Grund seiner großen magischen Bibliothek, haben dürfte, es bei seinen Shows aber auf Effekthascherei und Illusion belässt.

 

Er und viele andere die uns mit Träumen und Visionen, Büchern und Filmen versorgen werden schon wissen warum! Möglicherweise ist es ihnen selbst auch nicht bewusst, aber durch ihre Visionen geben sie nur ein Bild wieder, welches das Publikum annehmen kann. Da gibt es keinen Anspruch auf ein „So ist es, so müsst ihr euch verhalten!“. Sie zeigen nur wie sich das Denken wandeln kann, und welche Möglichkeiten im Umdenken stecken.

 

Und wer immer sich dadurch angesprochen fühlt und im inneren umdenkt tut dies aus eigenen Stücken, nicht aus der Pflicht dem lokalpolitischen Glauben gegenüber. Das der Weltfrieden bei allem umdenken eine Utopie bleiben wird, liegt in den Grundängsten und Grundsüchten der Menschen verankert. Keine der durchlebten Regierungsformen konnte es wirklich allen Menschen recht machen. Es wird immer jemanden geben, der Veränderung wünscht, mehr Macht, weniger Vorschriften, einen den der Neid auf den Nachbarn zerfrisst. Das ist im Kern der Menschen eingebaut. Niemand ist davon frei, aber freier zu denken, kann man trainieren. Harry Potter ist sicher ein guter Weg einen freien Gedanken zu pflanzen.

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